Warum eine Marge von 35 Prozent Fragen aufwirft
Ausgangspunkt ist ein Recyclingunternehmen mit 10 Millionen Euro Umsatz und 3,5 Millionen Euro EBIT. Das entspricht einer Marge von 35 Prozent. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein Unternehmen in sehr guter Verfassung.
Genau hier liegt aber das Problem. Eine Umsatzrendite von 35 Prozent ist in dieser Branche nicht normal. Daraus folgen zwei mögliche Erklärungen: Entweder das Unternehmen arbeitet außergewöhnlich gut, oder die Zahlen sind nicht nachhaltig.
Welche Fragen ein Käufer stellen wird
Die entscheidende Frage für einen Käufer lautet: Woher kommt diese Marge wirklich? Daraus ergeben sich mehrere Prüfpunkte:
- Beruht der Gewinn auf Einmaleffekten?
- Gibt es eine Sonderkonjunktur in der Region?
- Wie sicher ist der Standort?
- Bestehen Genehmigungen, die sich nicht ohne Weiteres replizieren lassen?
- Wie hoch ist der Investitionsbedarf?
- Müssen Anlagen bald ersetzt werden?
Hohe Gewinne können im Zweifel teuer werden, wenn kurz nach dem Kauf stark investiert werden muss. Ein Käufer wird diese Belastung in seine Rechnung einbeziehen.
Warum der Gewinn allein keine Bewertungsgrundlage ist
Ein solches Unternehmen lässt sich nicht einfach nach seinem aktuellen Gewinn bewerten. Es braucht eine genaue Analyse, wie nachhaltig das Geschäftsmodell ist. Handelt es sich um ein dauerhaftes Ertragsniveau oder um einen Höchststand, der sich nicht halten lässt?
In der Praxis hören Berater häufig die Erwartung, bei dieser Größe seien mindestens das 5- bis 6-fache des EBIT erreichbar. Bei 3,5 Millionen Euro EBIT wären das rund 17 Millionen Euro und mehr. Diese Erwartung gilt aber nur, wenn die Struktur des Unternehmens vollständig stimmt.
Wann der höhere Wert erreichbar ist
Ein Unternehmen mit 3,5 Millionen Euro EBIT kann diesen Wert erreichen, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:
- Das Unternehmen ist unabhängig.
- Es gibt keinen Investitionsstau.
- Der Gewinn ist Jahr für Jahr replizierbar.
Fehlen diese Voraussetzungen, ist das Unternehmen deutlich weniger wert.
Was über den Preis entscheidet
Die zentrale Erkenntnis lautet: Nicht der Gewinn ist das Risiko, sondern die Frage, wie oft sich dieser Gewinn wiederholen lässt. Diese Wiederholbarkeit, also die Nachhaltigkeit der Erträge, entscheidet am Ende über den Kaufpreis.