Die Ausgangslage: ein Automatenaufsteller mit 11 Mitarbeitenden
Das Unternehmen stellt Geldspielautomaten auf. Es erzielt einen Jahresumsatz von 3,4 Millionen Euro und ein EBIT von rund 420.000 Euro. Es betreibt rund 220 Geldspielautomaten an mehr als 100 Standorten. Die Automaten stehen in einem Netz von Gastronomiebetrieben. Beschäftigt sind 11 Mitarbeitende.
Die Schätzungen aus den Kommentaren lagen weit auseinander, zwischen 800.000 Euro und 4 Millionen Euro. Die Bewertung von Everto liegt bei etwa 1,7 Millionen Euro. Die Frage ist, warum es nicht 2 Millionen Euro sind, aber auch nicht 1,5 Millionen Euro.
Was für den Wert des Unternehmens spricht
Mehrere Punkte stützen den Wert:
- Nachhaltige Erträge: Das Unternehmen verdient dauerhaft Geld. 420.000 Euro EBIT bei 3,4 Millionen Euro Umsatz bewertet Everto als gute Profitabilität.
- Verteilte Struktur: Die 220 Automaten stehen nicht an drei oder vier Standorten, sondern an mehr als 100. Damit gibt es praktisch kein Kundenrisiko.
- Netz und Beziehungen: Das Netz an Gastronomiebetrieben und die Beziehungen zu den Betreibern haben einen eigenen Wert. Ein Wettbewerber kann das nicht in wenigen Monaten nachbauen.
Warum das Risiko vor allem in der Branche liegt
Die Risiken liegen weniger im Unternehmen selbst als in der Branche. Folgende Faktoren können sich unmittelbar auf das Ergebnis auswirken:
- Der Gesetzgeber ändert die Vorgaben für Geldspielgeräte.
- Die Anforderungen an Spielhallen werden verschärft.
- Die Kommune erhöht die Vergnügungssteuer.
Hinzu kommt der Kreis möglicher Käufer. Manchen Fonds verbieten ihre Compliance-Regeln, in Unternehmen dieser Branche zu investieren. Das verkleinert die Zahl der Interessenten. Langfristig kommt der Wettbewerb durch das Online-Glücksspiel dazu.
Warum das Vierfache des EBIT angemessen ist
Aus dem Verhältnis von Stärken und Risiken ergibt sich der Faktor. Für dieses Unternehmen würde Everto nicht das Sechs- oder Siebenfache des Ergebnisses zahlen. Angemessen ist nach dieser Einschätzung etwa das Vierfache des nachhaltigen EBIT.
Die Rechnung lautet: 420.000 Euro mal 4 ergibt rund 1,7 Millionen Euro. Die Stärken des Geschäfts tragen diesen Faktor. Die Branchenrisiken verhindern einen höheren.
Was ein Käufer tatsächlich bezahlt
Ein Käufer bezahlt nicht nur den Gewinn, den ein Unternehmen heute macht. Er bezahlt vor allem dafür, was dieser Gewinn nach seiner Erwartung auch in den nächsten Jahren noch sein wird. Eine Unternehmensbewertung ist deshalb mehr als Umsatz und Gewinn. Entscheidend ist die Qualität des Geschäftsmodells. Dazu gehören diese Fragen:
- Wie nachhaltig sind die Erträge?
- Welche Risiken gibt es?
- Wie abhängig ist das Unternehmen vom Eigentümer?
- Welche Chancen sieht der Käufer in den nächsten 10 Jahren für sich selbst?
Die Antworten auf diese Fragen entscheiden am Ende über den Unternehmenswert. Beim beschriebenen Automatenaufsteller ergibt sich daraus ein Wert von etwa 1,7 Millionen Euro.