Die Ausgangslage: 3 Millionen Euro Umsatz, 5 Millionen Euro Preisvorstellung
Ein B2B-Softwareanbieter erzielt 3 Millionen Euro Umsatz und 600.000 Euro Gewinn. Der Verkäufer möchte 5 Millionen Euro für sein Unternehmen. Die Frage ist, ob dieser Preis realistisch ist.
Die Rahmendaten des Falls:
- Software as a Service, spezialisiert auf Logistikprozesse
- stabile Umsätze
- 20 Prozent Gewinnmarge
- über 70 Prozent der Umsätze sind vertraglich wiederkehrend, auf Basis eines Subskriptionsmodells
Die klassische Rechnung führt zu 4 bis 5 Millionen Euro
Rechnet man klassisch, nimmt man den Gewinn von 600.000 Euro und wendet ein typisches Multiple an. Ein Multiple ist ein Faktor, mit dem der Gewinn multipliziert wird, um einen Unternehmenswert abzuleiten. Auf diesem Weg kommt man auf einen Wert von etwa 4 bis 5 Millionen Euro.
Diese Rechnung übersieht in diesem Fall aber den entscheidenden Punkt: die Art der Umsätze.
Warum wiederkehrende Umsätze für Käufer so viel zählen
Wenn mehr als 70 Prozent der Umsätze vertraglich wiederkehrend sind, bedeutet das für einen Käufer:
- hohe Planbarkeit
- stabile Cashflows
- geringe Abhängigkeit von einzelnen Projekten
Ein Käufer erwirbt damit nicht nur ein Unternehmen. Er kauft auch relativ sichere zukünftige Einnahmen. Solche Unternehmen sind bei Käufern deshalb besonders gefragt.
Bei der Prüfung schaut ein Käufer vor allem auf zwei Kennzahlen:
- Customer Acquisition Costs: Was kostet die Gewinnung eines neuen Kunden?
- Customer Lifetime Value: Wie lange bleibt ein Kunde und welchen Wert bringt er über diese Zeit?
Skalierbarkeit als zweiter Werttreiber
Hinzu kommt, dass die Software skalierbar ist. Jeder zusätzliche Kunde verursacht kaum zusätzliche Kosten. Das Unternehmen kann also wachsen, ohne dass die Kosten im gleichen Verhältnis steigen. Auch das erhöht den Wert aus Sicht eines Käufers.
Das Ergebnis: eher 7 bis 9 Millionen Euro
Aus diesen Gründen wird ein solches Unternehmen in der Realität deutlich höher bewertet als 5 Millionen Euro. Die Einschätzung im Video liegt bei 7 bis 9 Millionen Euro.
Der Fall zeigt: Nicht jede Preisvorstellung wird beim Verkauf nach unten korrigiert. Wenn ein Unternehmen
- stabile, wiederkehrende Umsätze hat,
- skalierbar ist und
- planbare Erträge erwirtschaftet,
dann ist es für viele Käufer besonders interessant. In solchen Fällen lassen sich Preise erzielen, die deutlich über einer Bewertung mit klassischen Multiples liegen. Für Inhaber lohnt es sich daher, vor einem Verkauf genau zu prüfen, welcher Anteil der eigenen Umsätze vertraglich wiederkehrend ist.