Der Fall: 5 Millionen Euro für einen Gebäudetechnik-Dienstleister
Ein technischer Dienstleister im Bereich Gebäudetechnik erzielt 3 Millionen Euro Umsatz und 600.000 Euro Gewinn. Der Verkäufer möchte 5 Millionen Euro für sein Unternehmen haben. Die Frage lautet: Ist das Unternehmen diesen Preis wirklich wert?
Die Rahmendaten sind solide:
- stabile Umsätze
- 20 Prozent Gewinnmarge
- 15 Mitarbeiter
- seit Jahren profitabel
Die klassische Einordnung liegt bei 4 bis 6 Millionen Euro
Bei einem EBIT von 600.000 Euro ergeben typische Multiples in diesem Fall einen Wert von ungefähr 4 bis 6 Millionen Euro. Ein Multiple ist ein Faktor, mit dem eine Ertragskennzahl wie das EBIT multipliziert wird, um einen Unternehmenswert abzuleiten. Die Preisvorstellung des Verkäufers liegt genau in diesem Bereich.
Nach dieser Betrachtung wäre die Forderung also angemessen. Doch ein Merkmal des Unternehmens verändert die Bewertung deutlich.
Der entscheidende Unterschied: Das Unternehmen läuft ohne den Inhaber
Der Inhaber ist nicht im Tagesgeschäft tätig. Das Unternehmen funktioniert eigenständig. Dafür sorgen zwei Dinge:
- eine zweite Führungsebene
- klare Prozesse
Aus Sicht eines Käufers ist genau das gesucht. Käufer erwerben nicht nur ein Unternehmen. Sie erwerben ein System, das auch ohne den Verkäufer funktioniert.
Ein Unternehmer hat diese Sicht einmal so zusammengefasst: Kaufe ich mir hier eigentlich ein Unternehmen oder kaufe ich mir Arbeit? Arbeit hat ein Käufer in der Regel schon genug. Er möchte sie nicht zusätzlich einkaufen.
Warum Käufer eher 6 bis 8 Millionen Euro zahlen würden
Ein inhaberunabhängiges Unternehmen bedeutet für den Käufer ein geringes Risiko. Eine sofortige Übernahme ist möglich, ohne dass großes Know-how im Unternehmen verloren geht.
Deshalb werden Käufer für ein solches Unternehmen in der Regel wahrscheinlich nicht nur 5 Millionen Euro zahlen, sondern eher 6 bis 8 Millionen Euro. Die Gründe für diesen Wert sind:
- Das Unternehmen ist nicht vom Inhaber abhängig.
- Das Geschäftsmodell wird nicht durch KI beeinflusst.
- Die Inhaberunabhängigkeit macht das Unternehmen für Käufer attraktiv.
Diese Attraktivität bildet sich am Ende im Preis ab.
Was Inhaber daraus mitnehmen können
Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn und Marge geben einen ersten Rahmen für den Unternehmenswert. Ob ein Unternehmen am oberen Ende oder darüber hinaus bewertet wird, hängt jedoch auch davon ab, wie stark es vom Inhaber abhängt. Eine zweite Führungsebene und klare Prozesse können den Preis erhöhen, den ein Käufer zu zahlen bereit ist. In diesem Fall könnte die Preisvorstellung des Verkäufers sogar zu niedrig angesetzt sein.