Steuerliche Optimierung kann den Unternehmenswert senken
Viele Inhaber haben in den vergangenen Jahren alle steuerlichen Möglichkeiten ausgeschöpft. Das ist nachvollziehbar. Ein steuerlich optimierter Jahresabschluss kann aber den Unternehmenswert senken. Und zwar in der Phase, in der Sie das am wenigsten brauchen können: beim Verkauf.
Steuerliche Optimierung ist sinnvoll. Sie passt aber vor allem dann, wenn Sie nicht verkaufen wollen.
Steuerlogik und Verkaufslogik verfolgen unterschiedliche Ziele
Steuerlich optimiert heißt in der Regel:
- Gewinne klein rechnen
- Aufwendungen maximieren
- Ergebnisse glätten
Käufer wollen das Gegenteil sehen:
- eine klare Ertragskraft
- nachvollziehbare Margen
- planbare Cashflows
Die beiden Logiken widersprechen sich. Was für das Finanzamt vorteilhaft ist, macht das Unternehmen für einen Käufer schwerer einzuschätzen.
Warum Käufer den Erklärungen des Verkäufers nicht einfach folgen
Zwischen Käufer und Verkäufer besteht zunächst kein Vertrauensverhältnis. Das bedeutet nicht, dass sich beide Seiten misstrauen. Es bedeutet aber, dass ein Käufer eine Aussage nicht allein deshalb übernimmt, weil der Verkäufer sie trifft. Er verlässt sich auf das, was die Zahlen zeigen.
Bei einem durchgehend steuerlich optimierten Abschluss sieht der Käufer:
- niedrige Gewinne
- viele Sondereffekte
- private Aufwendungen
- Kosten, die sich schwer erklären lassen
Die Folge sind Misstrauen, höhere Risikoabschläge und geringere Multiples. Ein Multiple ist der Faktor, mit dem ein Käufer eine Ergebnisgröße multipliziert, um den Kaufpreis abzuleiten. Sinkt dieser Faktor, sinkt der Preis.
Ein starkes Unternehmen mit schlecht lesbaren Zahlen verliert an Wert
Der Abschlag entsteht nicht, weil das Unternehmen schlecht ist. Er entsteht, weil die Zahlen schlecht lesbar sind. In der Praxis zeigt sich das regelmäßig: Unternehmen, die operativ stark sind, verlieren im Verkaufsprozess deutlich an Wert, weil ihre Zahlen über Jahre nur nach steuerlichen Gesichtspunkten aufgestellt wurden.
Steuern zu sparen ist wichtig. Unternehmenswert zu schaffen ist aber eine andere Aufgabe. Wer verkaufen will, sollte beide Ziele auseinanderhalten.
Die Vorbereitung beginnt ein bis zwei Jahre vor dem Verkauf
Ein guter Verkaufsabschluss beginnt nicht erst beim Vertragsentwurf. Er beginnt in der Regel ein bis zwei Jahre vorher, in der Struktur der Zahlen. Wenn Sie einen Verkauf in Betracht ziehen, lohnt es sich, frühzeitig zu prüfen, wie ein Käufer Ihre Abschlüsse lesen würde und ob die Ertragskraft daraus klar hervorgeht.