Die Ausgangslage: Umsatz, Ergebnis und Bereinigung
Betrachtet wird ein ambulanter Pflegedienst mit 7,2 Mio. € Umsatz und rund 250 Mitarbeitenden. Das EBIT liegt bei 600.000 €. Das Gehalt des Geschäftsführers ist marktüblich und bereits im EBIT enthalten.
Zusätzlich bezieht ein Gesellschafter, der nicht im Unternehmen tätig ist, ein Gehalt von 150.000 € pro Jahr. Dieses Gehalt ist nicht betriebsnotwendig. Es wird deshalb dem Ergebnis zugerechnet. Daraus ergibt sich ein bereinigtes EBIT von 750.000 €.
Bezogen auf den Umsatz ist dieses Ergebnis knapp. Es liegt aber über der Grenze von 10 Prozent. Mit 7,2 Mio. € Dienstleistungsumsatz hat der Betrieb bereits eine Größe nahe am Mittelstand erreicht.
Welche Faktoren den Wert eines Pflegedienstes bestimmen
Für die Bewertung kommt es nicht nur auf das Ergebnis an. Folgende Punkte beeinflussen, wie ein Käufer das Unternehmen einschätzt:
- Personalstabilität: Wie hoch sind Fluktuation und Krankenstand?
- Benotung durch den Medizinischen Dienst: Wie wird die Pflegequalität bewertet?
- Kostenstruktur: Wie hoch sind die Löhne im Unternehmen?
- Klientel: Wie verteilen sich die Leistungen auf SGB XI, also die Pflegeversicherung, und SGB V, also die Krankenversicherung?
- Regionaler Wettbewerb: Wie viele Anbieter gibt es im Einzugsgebiet?
- Zuweiser: Wie stark hängt der Dienst von einzelnen Einrichtungen ab, über die neue Klienten kommen?
Hinzu kommt ein Risiko, das die ganze Branche betrifft. Pflegedienste hängen stark von der Regulierung durch den Gesetzgeber ab. Dieser Punkt ist bei jeder Bewertung zu berücksichtigen.
Welcher Unternehmenswert realistisch ist
Nach Einschätzung des Beraters liegt die Marktbewertung in diesem Fall etwa zwischen dem 5- und 6-fachen des bereinigten EBIT. Bei 750.000 € ergibt das einen Unternehmenswert von 3,75 bis 4,5 Mio. €.
Wie sich der Wert vor einem Verkauf steigern lässt
Mehrere der genannten Faktoren können Inhaber selbst beeinflussen:
- Krankenstand niedrig halten. Ein hoher Krankenstand führt nach dieser Einschätzung zu einem Abschlag von 0,5 bis 1 Punkt beim Multiple.
- Fluktuation gering halten. Ein starkes Pflegeteam mit einer stabilen zweiten Führungsebene unterhalb der Geschäftsführung erhöht den Wert.
- Anteil der SGB-V-Klientel erhöhen. Ein hoher Anteil bringt beim Multiple rund 0,5 Punkte zusätzlich.
Ein weiterer Punkt ist die Abhängigkeit von einzelnen Personen. Im Beispiel hängt der Betrieb nicht nur am Inhaber, sondern auch am Geschäftsführer. Auch diese Abhängigkeit fließt in die Bewertung ein.
Was Inhaber daraus mitnehmen können
Der Wert eines Pflegedienstes ergibt sich aus dem bereinigten Ergebnis und dem Multiple. Das Multiple hängt stark von Personal, Qualität und Klientel ab. Wer diese Punkte frühzeitig angeht, kann die Bewertung vor einem Verkauf verbessern.