Um welches Unternehmen geht es?
Betrachtet wird ein E-Commerce-Unternehmen mit diesen Eckdaten:
- Umsatz: 9,0 Mio. €
- EBIT: 2,2 Mio. €
- 60 Mitarbeitende
- eigene Designrechte und eigene Lizenzen
Die Bewertung setzt voraus, dass die Ergebnisse nachhaltig sind. Das Unternehmen hat diese Zahlen also nicht einmalig erreicht, sondern über mehrere Jahre. Ein einzelnes starkes Jahr würde ein anderes Bild ergeben.
Welche Multiples gelten im Onlinehandel?
Im Onlinehandel hängt das Multiple stark vom Geschäftsmodell ab. Die Einschätzung im Reel unterscheidet drei Stufen:
- Reine Handelsunternehmen: etwa 4 bis 6
- Unternehmen mit starken Marken: etwa 6 bis 8
- Unternehmen mit eigenen Designs, Designrechten, Lizenzen und eigener IP: etwa 7 bis in der Spitze 10
Premium-Marken können teilweise noch darüber liegen. Das hier betrachtete Unternehmen ordnet die Einschätzung der dritten Stufe zu. Gründe sind die Wiedererkennbarkeit und die geringe Konkurrenz, die sich aus den eigenen Marken, Designrechten und der eigenen IP ergibt.
Warum liegt der Wert bei 15 bis 20 Mio. €?
Aus dieser Einordnung ergibt sich ein Unternehmenswert von etwa 15 bis 20 Mio. €. Das mag zunächst überraschen. Die Einschätzung begründet den Wert mit mehreren Faktoren:
- Eigene IP: Im E-Commerce gibt es nur wenige Unternehmen, die über eigene Schutzrechte in dieser Form verfügen.
- Marge: Die EBIT-Marge liegt bei 24,4 Prozent und wird als hoch eingeschätzt.
- Größe: Mit 60 Mitarbeitenden gilt das Unternehmen als stabil. Verlassen 10 Prozent der Beschäftigten das Unternehmen, hat das keinen großen Einfluss auf den Betrieb.
- Ergebnisgröße: Ein EBIT von über 2 Mio. € spricht zusätzliche Käufergruppen an.
Welche Käufer kommen in Frage?
Ab einem EBIT von mehr als 2 Mio. € sind nicht nur strategische Käufer interessiert. Auch Finanzinvestoren kommen in Betracht. Sie verfolgen oft das Ziel, das Unternehmen weiter auszubauen und zum Beispiel in ganz Europa zu etablieren.
Wie lässt sich der Wert vor dem Verkauf steigern?
Die Einschätzung nennt drei Ansatzpunkte:
- Sortimentsfokus: Prüfen Sie, ob sich das Sortiment noch schärfen lässt.
- Wiederkaufrate: Prüfen Sie, ob sich der Anteil der Kunden erhöhen lässt, die mehrfach kaufen.
- Internationalisierung: Prüfen Sie, ob weitere Länder angeschlossen werden können.
Zur Internationalisierung gibt die Einschätzung eine Orientierung: Ein Auslandsumsatz von 10 bis 20 Prozent kann das Multiple um etwa einen Punkt erhöhen. Bei einem EBIT von 2,2 Mio. € macht ein solcher Punkt einen spürbaren Unterschied im Unternehmenswert aus.