Wie sehen die Kennzahlen des Ingenieurbüros aus?
Das Beispiel ist ein Ingenieurbüro im Bereich Bahn- und Gleisbau. Es hat 10 Mitarbeitende, davon sieben Ingenieure. Der Umsatz liegt bei 1,5 Millionen Euro, das EBIT bei 225.000 Euro. Der Inhaber will in zwei bis drei Jahren ausscheiden.
Aus diesen Zahlen ergeben sich einige Einordnungen:
- Der Anteil wertschöpfender Mitarbeiter ist hoch, denn sieben von zehn Beschäftigten sind Ingenieure.
- Die EBIT-Marge liegt bei 15 Prozent. Das ist solide. Es ist nicht überdurchschnittlich, passt aber für diese Größenklasse.
- Der Umsatz pro Kopf beträgt 150.000 Euro. Das ist für Ingenieurbüros im Bahnumfeld typisch.
Welche Faktoren bestimmen den Wert?
Inhaberabhängigkeit: Hier ist ein kritischer Blick nötig. Wie viel Know-how liegt noch beim Inhaber? Wie viele Kundenkontakte hängen an ihm persönlich? Entscheidend wird ein Übergabeplan sein.
Marktnische: Bahn- und Gleisbau ist ein stark regulierter Bereich. Die Nachfrage ist langfristig stabil, eher positiv. Das wirkt sich gut auf die Bewertung aus.
Mitarbeiterbindung: Die sieben Ingenieure sind das Herz des Unternehmens. Eine hohe Fluktuation oder eine kurze Betriebszugehörigkeit würde den Wert senken.
Auftragslage: Es ist anzunehmen, dass die Auftragslage im aktuellen Umfang gut ist. Sie dürfte noch besser werden, weil die Bahn ein großes Investitionsvolumen vor sich hat.
In welcher Spanne liegt der Unternehmenswert?
In der aktuellen Situation liegt die Bewertung für dieses Unternehmen zwischen 900.000 Euro und 1,35 Millionen Euro.
Wo genau der Wert in dieser Spanne landet, hängt vor allem von einem Punkt ab: Welchen Plan kann der Inhaber einem Interessenten vorlegen, um Kundenbeziehungen und Mitarbeiter auf den Käufer zu übertragen?
Auch der Käufer muss hier etwas anbieten. Er wird darlegen müssen, wie er die Übergangszeit nutzen will, damit Kunden und Mitarbeiter bei ihm bleiben. Die zwei bis drei Jahre bis zum Ausscheiden des Inhabers sind dafür ein wichtiger Zeitraum.
Wer kommt als Käufer infrage?
Für ein Ingenieurbüro dieser Art gibt es mehrere klassische Käufergruppen:
- große Planungsbüros im Bereich Bahn und Infrastruktur
- Bauunternehmen mit einer Bahnsparte
- Technologie- und Beratungsunternehmen im Verkehrssektor
- die Bahn selbst, weil dort ein erhöhter Bedarf an Ingenieuren besteht
Die letzte Gruppe mag überraschen. Der Bedarf an Ingenieuren macht sie aber zu einem möglichen Interessenten.
Was bedeutet das für den Inhaber?
Die Kennzahlen allein bestimmen den Preis nicht. Ausschlaggebend ist, wie gut sich das Unternehmen vom Inhaber lösen lässt. Wer früh einen Übergabeplan für Kunden und Mitarbeiter erstellt, schafft die Grundlage für eine Bewertung am oberen Ende der Spanne. Wie sich der Unternehmenswert in ein bis zwei Jahren mit gezielten Maßnahmen erhöhen lässt, ist Thema des zweiten Teils.