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Was ist ein Krematorium in Nordrhein-Westfalen wert? Ein Bewertungsbeispiel

Ein Krematorium mit 5,4 Mio. € Umsatz und 1,1 Mio. € EBIT: Wir schätzen den operativen Unternehmenswert auf 6 bis 7 Mio. €. Was dafür spricht und was dagegen.

2:34 Min.

Die Ausgangslage: ein Krematorium vor der Nachfolge

Das Unternehmen ist seit über 25 Jahren am Markt und beschäftigt 14 Mitarbeitende. Es erzielt einen Jahresumsatz von 5,4 Millionen Euro. Das EBIT liegt bei rund 1,1 Millionen Euro. Das EBIT ist das Ergebnis vor Zinsen und Steuern, also der operative Gewinn des Betriebs.

Pro Jahr führt das Krematorium rund 3.100 Einäscherungen durch. Mehr als 160 Bestattungshäuser gehören zum festen Kundenstamm. Das Betriebsgrundstück mit Gebäude ist im Eigentum des Unternehmens. Der Geschäftsführer möchte sich aus Altersgründen zurückziehen.

Unsere Einschätzung: Der operative Unternehmenswert liegt zwischen 6 und 7 Millionen Euro.

Welche Faktoren den Wert stützen

  • Stabile Nachfrage: Jedes Jahr stirbt etwa 1 Prozent der Bevölkerung. Der Bedarf besteht also dauerhaft und hängt nicht von der Konjunktur ab.
  • Hohe Markteintrittsbarrieren: Neue Krematorien entstehen selten. Genehmigungen und Umweltauflagen machen den Markteintritt schwer.
  • Breite Kundenstruktur: Über 160 Bestattungshäuser verteilen den Umsatz auf viele Kunden. Das senkt das Risiko für einen Käufer.
  • Zweite Führungsebene: Das Unternehmen läuft unabhängig vom Inhaber. Ein Käufer muss nicht befürchten, dass der Betrieb stillsteht, wenn der Verkäufer geht.
  • Eigene Immobilie: Das Unternehmen besitzt Grundstück und Gebäude. Das macht es für Käufer zusätzlich attraktiv.

Warum der Wert nicht bei 9 oder 10 Millionen Euro liegt

Eine Bewertung von 9 oder 10 Millionen Euro halten wir hier nicht für angemessen. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Regionales Geschäft: Ein Krematorium arbeitet in seinem regionalen Umfeld. Das Wachstum ist dadurch begrenzt.
  • Investitionsbedarf: Die technischen Anlagen müssen regelmäßig modernisiert werden. Ein Käufer rechnet diese künftigen Investitionen in seine Kalkulation ein.
  • Steigende Auflagen: Die Anforderungen im Umwelt- und Emissionsschutz nehmen zu. Auch das berücksichtigt ein Käufer.

Was über den Unternehmenswert entscheidet

Das Beispiel zeigt: Eine Unternehmensbewertung besteht aus mehr als Umsatz und Gewinn. Entscheidend ist die Qualität des Geschäftsmodells. Ein Käufer stellt sich vor allem diese Fragen:

  • Wie nachhaltig sind die Erträge?
  • Welche Risiken gibt es?
  • Wie abhängig ist das Unternehmen vom Eigentümer?
  • Welche Chancen kann ein neuer Eigentümer in den nächsten zehn Jahren umsetzen?

Die Antworten auf diese Fragen bestimmen am Ende, wo innerhalb einer Spanne der Wert liegt. Im Fall des Krematoriums stehen stabile Nachfrage, breite Kundenbasis und Inhaberunabhängigkeit einem begrenzten Wachstum und laufendem Investitionsbedarf gegenüber. Daraus ergibt sich die Spanne von 6 bis 7 Millionen Euro.

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