Um welches Unternehmen geht es?
Es geht um ein privat geführtes Krematorium in Nordrhein-Westfalen. Das Unternehmen besteht seit über 25 Jahren und beschäftigt 14 Mitarbeitende. Der Jahresumsatz liegt bei 5,4 Millionen Euro, das EBIT bei rund 1,1 Millionen Euro.
- Pro Jahr werden rund 3.101 Einäscherungen durchgeführt.
- Mehr als 160 Bestattungshäuser gehören zum festen Kundenstamm.
- Grundstück und Gebäude gehören dem Unternehmen.
- Der Geschäftsführer möchte sich altersbedingt zurückziehen.
Die Frage lautet: Was ist dieses Krematorium wert? Die Antwort ist nicht einfach. Sie hängt von mehreren Punkten ab, die ein Käufer nacheinander prüft.
Warum ist ein Krematorium kein Selbstläufer?
Viele denken: Gestorben wird immer, also läuft ein Krematorium von allein. So einfach ist es nicht. Zuerst zählt die Marktposition. Wie groß ist das Einzugsgebiet? Gibt es in der Region mehrere Wettbewerber, oder gehört das Unternehmen zu den wenigen Anbietern?
Bestatter fahren nicht quer durch Deutschland, um Verstorbene zur Einäscherung zu bringen. Das Einzugsgebiet entscheidet deshalb maßgeblich darüber, wie viele Einäscherungen überhaupt möglich sind.
Welche Rolle spielen Genehmigung und Auslastung?
Ein neues Krematorium zu bauen ist sehr schwierig. Es braucht hohe Investitionen, es gelten strenge Umweltauflagen, und das Genehmigungsverfahren ist aufwendig. Bestehende Krematorien haben dadurch einen gewissen Wettbewerbsschutz. Das allein gibt ihnen schon einen Wert.
Danach geht es um die Auslastung. Zwei technisch moderne Einäscherungsanlagen können ein Vorteil sein. Das gilt aber nur, wenn sie auch gut ausgelastet sind. Ein Käufer fragt:
- Läuft die Anlage dauerhaft an der Kapazitätsgrenze?
- Oder gibt es noch Reserven für mehr Einäscherungen?
Die Antwort macht für einen Käufer einen Unterschied.
Wie wirken Kundenstruktur und Management auf den Wert?
Bei der Kundenstruktur zählt die Verteilung. Hier arbeitet das Unternehmen regelmäßig mit mehr als 160 Bestattungshäusern zusammen. Das senkt das Risiko erheblich. Hinge dagegen 60 bis 70 Prozent des Umsatzes an zwei oder drei Kunden, läge ein Klumpenrisiko vor. Fällt dann ein großer Kunde weg, bricht ein großer Teil des Umsatzes ein.
Beim Management stellen sich zwei Fragen:
- Gibt es eine zweite Führungsebene?
- Funktioniert der Betrieb auch ohne den Eigentümer?
Gerade wenn der Geschäftsführer sich zurückziehen will, sind diese Fragen für einen Käufer zentral.
Warum ist die Immobilie bei Krematorien wichtig?
Zum Schluss kommt die Immobilie. Gehört sie dem Unternehmen oder ist sie gemietet? Bei Krematorien ist das ein echter Punkt für die Bewertung. In diesem Fall befinden sich Grundstück und Gebäude im Eigentum des Unternehmens.
Aus diesen Faktoren ergibt sich, wie sich der Unternehmenswert zusammensetzen kann. Die konkrete Bewertung dieses Krematoriums folgt in einem weiteren Beitrag.