Um welches Unternehmen geht es?
Das Beispiel ist ein Onlinehandel für Nahrungsergänzungsmittel in der DACH-Region. Das Unternehmen verkauft über einen eigenen Shop. Es erzielt 10 Millionen Euro Umsatz und 3 Millionen Euro EBIT. Es beschäftigt 12 Mitarbeitende. Als Rechtsform wird eine GmbH angenommen.
Für einen Onlinehändler dieser Branche ist das eine beachtliche Größe. Sie spricht für Stabilität. Positiv fällt die hohe Umsatzrendite auf. Nach Einschätzung von Everto ist eine solche Rendite in dieser Branche allerdings üblich. Sie hebt das Unternehmen also nicht automatisch vom Wettbewerb ab.
Welche Fragen sind vor einer Bewertung zu klären?
Umsatz und EBIT allein reichen für eine belastbare Bewertung nicht aus. Im nächsten Schritt sind mehrere Punkte zu prüfen:
- Fertigungstiefe: Kauft das Unternehmen die Produkte nur ein und verkauft sie weiter? Oder stellt es selbst etwas her?
- Qualität des Marketings: Wie gut gelingt es, Neukunden zu gewinnen? Wie viele Neukunden kommen pro Monat hinzu?
- Customer Lifetime Value: Wie lange bleibt ein Kunde Kunde? Wie oft und wie viel bestellt er erneut?
- Abhängigkeit vom Inhaber: Bei 12 Mitarbeitenden ist zu prüfen, wie stark das Geschäft am Inhaber hängt.
- Abhängigkeit von Lieferanten: Wie groß ist die Abhängigkeit von einem oder wenigen Lieferanten?
Warum sind Marketing und Kundenbindung so wichtig?
Ein Onlinehandel lebt davon, dass er Kunden gewinnt und hält. Der Customer Lifetime Value beschreibt, welchen Umsatz ein Kunde über die gesamte Dauer der Kundenbeziehung bringt. Kunden, die regelmäßig nachbestellen, machen künftige Umsätze verlässlicher.
Welcher Unternehmenswert ergibt sich?
Unter der Voraussetzung, dass alle genannten Punkte in Ordnung sind, schätzt Everto den Unternehmenswert bei diesem EBIT auf etwa 18 bis 20 Millionen Euro.
Zeigen sich bei einem der Prüfpunkte Schwächen, etwa eine hohe Abhängigkeit vom Inhaber oder von einem einzelnen Lieferanten, wirkt sich das auf diese Einschätzung aus. Die Spanne gilt also nur, wenn die Grundlagen stimmen.
Wer kommt als Käufer infrage?
Typische Käufer für ein solches Unternehmen sind Finanzinvestoren. Sie kaufen das Unternehmen, entwickeln es weiter und verkaufen es später erneut. Diesen späteren Weiterverkauf nennt man Second Exit.