Die Ausgangslage: Zahlen und Struktur des Unternehmens
Betrachtet wird ein Transportunternehmen in der Rechtsform einer GmbH. Es erzielt 3,5 Millionen Euro Umsatz und ein EBIT von 175.000 Euro. Alle Fahrzeuge sind geleast. Der Inhaber fährt als Subunternehmer und erhält Aufträge über Plattformen. Hinzu kommt ein wesentlicher Kunde.
Der Umsatz ist in dieser Größenordnung in Ordnung. Er gilt bei der Bewertung oft als Hinweis auf Stabilität. 3,5 Millionen Euro sind dafür eine solide Basis.
Was sagt eine Umsatzrendite von 5 Prozent aus?
Aus Umsatz und EBIT ergibt sich eine Umsatzrendite von 5 Prozent. Für die Transportbranche ist das ein guter Wert. Insgesamt betrachtet ist es aber wenig.
Der Grund liegt in der Frage, was passiert, wenn ein Kunde ausfällt. Bei einer Marge von 5 Prozent brauchen Sie viele neue Aufträge, um den Verlust eines einzelnen Kunden auszugleichen. Bei einer so geringen Rendite darf also nicht viel schiefgehen. Das gilt hier umso mehr, weil ein großer Teil des Geschäfts an einem Kunden hängt.
Was kauft ein Käufer hier eigentlich?
Aus Sicht eines Käufers stellt sich die Frage, welche Werte er übernimmt. Im konkreten Fall sind das:
- Aufträge als Subunternehmer, die über Plattformen kommen
- einen wesentlichen Kunden
- Fahrzeuge, die vollständig geleast sind und damit nicht dem Unternehmen gehören
Daraus folgt: Ein Käufer kann ein solches Unternehmen relativ schnell selbst aufbauen. Was er tatsächlich erwirbt, ist vor allem ein funktionierender Geschäftsablauf. Das hat einen Wert. Darüber hinaus ist das Geschäftsmodell aber einfach und leicht nachzubauen.
Welchen Wert hat das Unternehmen?
Auf dieser Grundlage liegt der Wert eines solchen Unternehmens eher bei 400.000 bis 500.000 Euro. Für den Verkäufer wird das vermutlich deutlich zu wenig sein. Der Betrag ergibt sich jedoch aus der Struktur des Unternehmens: wenig eigene Substanz, hohe Abhängigkeit von einem Kunden und ein Modell, das sich leicht kopieren lässt.
Wer kommt als Käufer in Frage?
Entscheidend ist auch, wer ein solches Unternehmen überhaupt kaufen würde.
- Strategische Käufer: eher nein. Ein Wettbewerber kann dieses Geschäft selbst aufbauen und muss es nicht kaufen.
- Finanzinvestoren: Das Unternehmen ist für sie zu klein und zu leicht kopierbar.
- Management-Buy-in: Als realistische Option bleibt eine externe Führungskraft, die das Unternehmen übernimmt.
Beim Management-Buy-in gibt es jedoch ein typisches Problem: die Finanzierung. Ein Käufer muss in der Regel Eigenkapital mitbringen. Wer bisher angestellt war, hat dieses Kapital oft nicht.
Gefällt dem Eigentümer der erzielbare Kaufpreis nicht, bleibt aus dieser Sicht vor allem eine Option: das Unternehmen weiterführen und es irgendwann auslaufen lassen.