Um welches Unternehmen geht es?
Betrachtet wird eine regionale Privatbrauerei. Sie braut jährlich rund 180.000 Hektoliter Bier. Der Jahresumsatz liegt bei 24 Millionen Euro, das EBIT bei 2,6 Millionen Euro. Das Unternehmen beschäftigt 95 Mitarbeitende.
Die Brauerei beliefert rund 450 Gastronomiebetriebe sowie zahlreiche Getränkefachmärkte und den Lebensmitteleinzelhandel. Die Marke ist in der Region seit Jahrzehnten etabliert. Das Brauereigelände gehört vollständig dem Unternehmen.
Man könnte meinen, eine Brauerei sei ein Selbstläufer, weil Bier immer getrunken wird. Aus Sicht eines Käufers ist die Branche jedoch komplex. Mehrere Punkte bestimmen den Wert.
Wie stark ist die Marke?
Der erste Blick gilt der Marke. Entscheidend ist, ob Kunden bewusst zu diesem Bier greifen oder ob es vor allem über den Preis verkauft wird. Eine starke Marke zeigt sich daran, dass Kunden auch dann zugreifen, wenn das Bier etwas teurer ist als das des Wettbewerbs. Das stärkt die langfristige Ertragskraft.
Was sagt die Kundenstruktur aus?
Die rund 450 Gastronomiebetriebe sind eine solide Basis. Wer dauerhaft in Restaurants, Bars und Hotels gelistet ist, hat langfristige Kundenbeziehungen.
Auch der Lebensmitteleinzelhandel ist wichtig, denn dort werden große Mengen verkauft. Die Supermarktketten haben allerdings eine große Verhandlungsmacht. Das wirkt sich unmittelbar auf Preise und Margen aus.
Warum ist die Wettbewerbsposition wichtiger als das Umsatzwachstum?
Ein Punkt wird oft unterschätzt: Der Biermarkt wächst kaum noch. In Deutschland sinkt der Pro-Kopf-Bierkonsum seit Jahren. Eine Brauerei kann ihren Umsatz also nicht einfach steigern, weil mehr Bier getrunken wird.
Wachstum entsteht im Wesentlichen auf drei Wegen:
- durch den Gewinn von Marktanteilen,
- durch die Entwicklung neuer Produkte,
- durch die Erschließung neuer Regionen.
Deshalb lohnt bei einer Brauerei der Blick auf die Wettbewerbsposition mehr als der Blick auf das reine Umsatzwachstum.
Welche Rolle spielen Produktion und Immobilie?
Eine moderne Brauerei erfordert hohe Investitionen. Sudhaus, Gärtanks, Abfüllanlagen und Logistik müssen laufend modernisiert werden. Diese Investitionen muss jeder Käufer in seine Bewertung einkalkulieren.
Dass sich das Brauereigelände im Eigentum befindet, schafft Substanz. Dennoch darf man den Wert der Immobilie nicht mit dem Wert des operativen Unternehmens verwechseln. Beides muss sauber voneinander getrennt betrachtet werden.
Im Ergebnis zeigt sich ein Unternehmen mit einer etablierten Marke, guter Ertragskraft und langjährigen Kunden. Das Wachstum ist jedoch begrenzt. Diese Faktoren fließen gemeinsam in die Bewertung ein.