Was ist die Equity Bridge?
Wenn Sie Ihr Unternehmen verkaufen, steht am Anfang nicht direkt der Kaufpreis. Im ersten Schritt wird ein Ertragswert ermittelt. Grundlage dafür ist die Ertragslage des Unternehmens.
Das lässt sich mit einer Immobilie vergleichen. Dort ergibt sich der Kaufpreis oft als ein Vielfaches des jährlichen Mietertrags. Beim Unternehmen entspricht dieser Wert dem Ertragswert.
Vom Ertragswert zum Kaufpreis führt die sogenannte Equity Bridge. Sie verbindet den Wert des Geschäftsbetriebs mit dem Wert, der am Ende für die Anteile gezahlt wird:
- Ertragswert
- zuzüglich Guthaben im Unternehmen
- abzüglich Finanzverbindlichkeiten
- ergibt den Wert des Eigenkapitals, den Equity Value
Warum werden Guthaben und Finanzverbindlichkeiten verrechnet?
Ohne diese Rechnung hätten zwei Unternehmen mit gleicher Ertragslage den gleichen Kaufpreis. Das gilt auch dann, wenn eines hohe Schulden hat und das andere schuldenfrei ist oder viel Geld auf dem Konto liegt. Die Verrechnung sorgt dafür, dass die unterschiedliche Verschuldung im Kaufpreis berücksichtigt wird.
Auch hier hilft der Vergleich mit der Immobilie. Liegt noch Geld auf dem Mietkonto, steht es in der Regel dem Verkäufer zu. Bestehende Finanzierungen werden vom Kaufpreis abgezogen. Das fällt im Alltag oft nicht auf, weil die Übertragung in der Regel schuldenfrei erfolgt.
Wie wird das Nettoumlaufvermögen berechnet?
Der letzte Schritt der Equity Bridge ist die Ermittlung des Nettoumlaufvermögens. Es setzt sich so zusammen:
- Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
- zuzüglich teilfertiger Arbeiten
- zuzüglich Vorräte
- abzüglich erhaltener Anzahlungen
- abzüglich Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
Dieser Wert wird zum Stichtag ermittelt und mit dem Durchschnitt der vergangenen Jahre verglichen.
- Liegt er über dem Durchschnitt, erhöht sich der Kaufpreis.
- Liegt er unter dem Durchschnitt, verringert sich der Kaufpreis.
Warum wird das Nettoumlaufvermögen angepasst?
Die Anpassung soll den Verkäufer dafür belohnen, dass er bis zum Schluss im Sinne des Unternehmens handelt. Ein einfaches Beispiel zeigt das.
Am 15. Dezember bietet ein Lieferant Ware an. Die Bedingung: Sie muss noch im laufenden Jahr bezahlt werden. Ohne Anpassung würde ein Verkäufer diese Ware im Normalfall nicht kaufen. Denn das Guthaben sinkt und damit auch sein Kaufpreis. Für das Unternehmen kann der Kauf aber sinnvoll sein.
Mit der Anpassung des Nettoumlaufvermögens sieht es anders aus. Kauft der Verkäufer die Ware, sinkt zwar das Guthaben. Gleichzeitig steigen die Vorräte und damit das Nettoumlaufvermögen. Für den Verkäufer ist der Kauf neutral. Er erhält den gleichen Kaufpreis.
So entsteht kein Anreiz, vor dem Stichtag Entscheidungen gegen das Unternehmen zu treffen, nur um den eigenen Kaufpreis zu verbessern.